Tour: Forêt de Haguenau

Forst und Wald von Haguenau im Elsass (Forêt de Haguenau Alsace)

Eine Tour durch den „heiligen Wald“ des Elsass, den Forêt de Haguenau

Abgetrennt von der Moder und einer Schneise, die Flughafen, Eisenbahn und Gewerbegebiete legen, taucht das Örtchen Marienthal im kleinen, südlichen Anhängsel des Forst und Wald von Haguenau im Elsass unter.

Marienthals Ruf geht weit über den Haguenauer Forst hinaus.Die Kirche des 1250 gegründeten Wilhelminenklosters stieg zum bedeutendsten Marien-Wallfahrtsort des Elsass auf, so stark besucht, dass das ursprünglich gotische Gotteshaus 1866 einer neogotischen Basilika weichen musste.

Ziel der Verehrung sind zwei Statuen aus dem 15.Jh.: die Jungfrau mit dem Kind und die schmerzensreiche Gottesmutter. Ex-Votos dankbarer Pilger schmücken die mit Wandmalereien ausgeschmückte Basilika.

Ein weiter Platz in der Ortsmitte musste früher die bis zu 200.000 Köpfe große Schar der Pilger im Elsass fassen. Heute sind die Reihen der Gläubigen gelichtet, die der Ausflügler hingegen nicht. Restaurants und Hotels mit so erbaulichen Namen wie „Ermitage“ oder „Notre-Dame“ empfangen im Schatten der etwas monströs geratenen Kirche. Der Wald ringsherum lädt zum Spaziergang ein, fromme Statuen und Brunnen zur Betrachtung.

Ein „heiliger Wald“ ist der Forst und Wald von Haguenau im Elsass für die Menschen geblieben.

An der beliebten „dicken Eiche“, zu der man von Haguenau aus über die D263 und dem ausschilderten Abzweig „Gros Chène“ gelangt, erinnert ein 1863 errichtetes Denkmal an den frommen Einsiedler und aquitanischen Adligen Arbogast.

Der soll hier im 6. Jh. in sich gekehrt sein, um später als Bischof von Straßburg erfolgreich das Elsass zu missionieren. Der Blitz traf die Eiche 1913 dennoch. Es blieb ein mit Schutzkappe versehener Stumpf, neben den 1955 ein Kapellchen gesetzt wurde.

Der Wald ist hier besonders lauschig und Picknickplätze laden Wanderer zur Rast ein. Waldwege führen Radler und Wanderer in alle Richtungen unter das dichte grüne Dach von Buchen, Kiefern und Eichen. Wer nicht gerade mit dem terrainfesten Mountainbike unterwegs ist, sollte die schmale D344 von Betschdorf nach Soufflenheim wählen. Auf dem schmalen Asphaltband herrscht wenig Verkehr. Wasser fließt dank zahlreicher Bäche und Flüsse wie Sauer, nördliche Zinsel, Brumbach und Moder reichlich.

Seit der Bronzezeit nutzt der Mensch den Holzreichtum des Forêt de Haguenau.

Allein für die Ausdehnung von Haguenau mussten 4000 ha Wald weichen. Seit 1696 schützt eine von Staatsminister Colbert gegründete Behörde den Forêt de Haguenau (Forst und Wald von Haguenau im Elsass) vor Raubbau. Am nördlichen Rand des Walds liegt Walbourg. 1074 stifteten die Grafen von Montbéliard hier eine Benediktinerabtei. Sehenswert ist die Walpurgiskirche mit herrlichen gotischen Fenstern und einem fein gearbeiteten, 11 m hohen Sakramentsschrein.
Noch älter ist das Kloster im nahen Surbourg, eines von sieben Klöstern, die es einst im Wald gab. Arbogast persönlich soll es als erstes elsässisches Kloster gegründet haben.

Erhalten blieb zum Teil eine aufs 9. Jh. zurückdatierbare Stiftskirche, in der ebenfalls zum ersten Mal im Elsass Pfeiler und Säulen wechseln. In der nördlichen Außenmauer entdeckte man bei Erweiterungsarbeiten 1935 eine römische Säule. In Richtung Soultz bilden Linden ein grünes Gewölbe über dem Asphalt der D 264. Auf einer Hügelkuppel mit Kapelle überrascht der vielleicht schönste Blickpunkt auf den Forêt: Wie ein grünes Meer wirkt der Wald zwischen den Ackern des Outre-Forêt und Haguenau.

Mit der Waldesruh vorbei ist es in Betschdorf. Bereits am Kreisverkehr an der D263 in Richtung Schwabwiller kündigt ein riesiger Krug an, was das Markenzeichen des Dorfs ist: In jedem zweiten Fachwerkhaus lockt eine Poterie. Die Ware der Betschdorfer Krugmacher ist in der Regel grau und trägt ein kobaltblaues Dekor. Das Steingut wird bei 1250°C gebrannt. Die Glasur entsteht durch Beigabe von Salz beim Brennvorgang.

Mitte des 18.Jh. kamen mit der Technik vertraute Krugmacher aus dem Westerwald ins Nordelsass.

Ihr Zentrum wurde Betschdorf. In einem Fachwerkhaus erläutert das Musée de la Poterie Geschichte und Produktionsgänge.

Eine Sammlung zerbrechlicher Exponate vereint Keramik von gallo-römischer Zeit bis ins 19. Jh.

Bei allem Rummel längs der Töpfermeile im Ortsteil Oberbetschdorf hinterlässt das Dorf wegen seines schmucken klassizistischen Rathauses und der vielen alten Töpferhäuser einen netten Eindruck. Ein Abstecher noch ins nahe Kuhlendorf lohnt sich wegen der einzigartigen Fachwerkkirche. Dann geht es zurück in den Wald.

In Soufflenheim auf der anderen Seite des Haguenauer Forsts sieht man das Dorf vor lauter Töpfereischildern kaum noch. Wie die Krugmacher von Betschdorf profitierten auch die Schüsseldreher von Soufflenheim vom reichlich vorhandenen Brennholz und dem Tonvorkommen im Wald. Für das bunte, in jedem Souvenirladen des Elsass vertriebene Geschirr dürfen sich die Soufflenheimer Handwerker laut höchstkaiserlichem Privileg des Staufers Barbarossa gebührenfrei im Forêt bedienen.

Ganze Blumenwiesen, figürliche Darstellungen, aber auch abstrakte Muster, jeweils in leuchtenden Farben unter Hochglanzglasur, sind auf Tellern und Schüsseln zu sehen. Das Dorf verliert jedoch durch die N 63, über die der Durchgangsverkehr hinwegdonnert, mehr noch durch die überdrehten Töpferwarengeschäfte viel von seinem Charme.

In Seltz ist das Rheinufer zum Greifen nah. Kurz davor führt eine alte schmiedeeiserne Rheinbrücke vorbei an einem verlassenen Grenzposten über den Strom ins badische Wintersdorf. Je näher die Dörfer auf französischer Seite an einer Brücke oder Fähre liegen, desto mehr strömen Einkaufs- und Gastrotouristen aus dem Grenzgebiet herbei. Und bleiben. In Seltz sind schon 15% der Einwohner Deutsche. Man sieht die Neubürger in Seltz mit freundlichen Augen -
sie renovieren und bringen Geld ins Dorf, wie auch in das eingemeindete Munchhausen stromabwärts.

Mit Lauterbourg ist Frankreichs östlichster Punkt erreicht. Die Stadt mit regem Grenzverkehr war Sitz des Vogts der Bischöfe von Speyer. 1707 wurde Lauterbourg königliche Festung, um die Grenze zwischen Landau (Pfalz) und der aus Abbruchsteinen der Haguenauer Kaiserpfalz erbauten Festung Fort-Louis (stromaufwärts bei Sessenheim) zu schützen.

Vauban befestigte die Stadt mit Batterien. Seine schlimmste Verwüstung erlebte Lauterbourg 1944/45. Erhalten blieben das Rathaus von 1713 mit älterem Renaissance-Portal, die bischöfliche Residenz und die Vogtei von 1715, und aus dem Mittelalter der Metzgerturm von 1250, ein letzter Rest der Stadtmauern.

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