Elsass Neuzeit

Geschichte des Elsass - Neuzeit Neue Zeiten nach wechselvoller Geschichte - das Elsass ist heute eine moderne, weltoffene Europar-Region mit vielen wunderbaren, überlieferten Traditionen

Neuzeit im Elsass

1621 wurde die Universität zu Straßburg gegründet, damit begann, wenn man so will, die turbulente Geschichte der Neuzeit im Elsass. Zugleich mit der Universitätsgründung in Strassburg und dem Einzug des Wissens verlegten die Straßburger Bischöfe ihren Sitz nach Zabern (Saverne, 1561-1681).

Europa stand für 30 Jahre in Flammen, einer der längsten Kriege der Geschichte tobte auch im Elsass. Erst mit dem Westfälischen Frieden von 1648 konnte der Dreißigjährige Krieg zwischen reformatorischen und papsttreuen Potentaten beendet werden. Die Bilanz fürs Elsass war vernichtend. Zerstörte Städte, niedergebrannte Dörfer, verwüstete Felder, abgeschlachtete Bevölkerung. Am Ende wurde der habsburgerische Besitz (Sundgau) Frankreich zugesprochen, gegen den Willen der Elsässer. Gleichzeitig behielten die Städte der Decapolis ihre Rechte.

Klug beließen es die Franzosen bei der Gleichstellung von Katholiken und Protestanten. Den Rest holt sich Ludwig XIV. mit Gewalt, die beschönigend als Reunionspolitik in die Geschichtsbücher einging. Das Elsass kam nicht zur Ruhe: 1677 zerstörten französische Truppen Weißenburg und Haguenau. Vier Jahre später musste Straßburg sich unter militärischem Druck dem Sonnenkönig fügen. Als 1697 der Friede von Rijswijk den Rhein als deutsch-französische Grenze festlegte, geriet das gesamte Elsass unter französische Herrschaft. Ludwig XV. setzte die Politik seines Vaters – frei nach der Formel ne pas toucher aux usages d’Alsace – fort, verfügte jedoch das Simultaneum:

Protestantische Orte im Elsass mit mehr als sieben katholischen Haushalten müssen den Kirchenchor der anderen Konfession überlassen. Vor allem Straßburg aber blieb ein freigeistiges, der deutschen Kultur zugewandtes Zentrum: 1770 kam Goethe zum Rechtsstudium für ein Jahr in die Stadt. Herder und Metternich büffelten ebenfalls im Schatten des Münsters. Erst die französische Revolution vollendete die Integration des Elsass in das französische Staatsgebilde. Die Sonderverwaltung wurde aufgehoben, die Region wie überall im Land in Départements aufgeteilt. Gemäß der Maxime „eine Nation, eine Sprache“ benachteiligte man das Elsässerdeutsch und die elsässische Geschichte und tradition gegenüber dem Französischen systematisch. Paris war bestrebt, seine Regionen zu normieren: Der Revolutionär Saint-Just empfahl den Elsässern, die „teutsche Tracht“ abzulegen. Mehr noch: Wie die Verfechter von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit soll auch der Nordturm des Straßburger Münsters eine phrygische Mütze tragen. Blutige Ausschreitungen begleiteten die Revolution.

Noch 1789 kam es zu Pogromen gegen die Juden im Sundgau. Plünderer zerstörten Klöster und Kirchen. Dann siegte das neue Zeitalter. Mulhouse kehrte 1798 freiwillig zurück nach Frankreich, die Grafschaft Nassau-Sarre (Krummes Elsass) nach sich Frankreich mit Gewalt. Was am Ende der großen Umwälzungen auf der Landkarte erschien, entspricht dem heutigen Gebiet der Départements Bas-Rhin und Haut-Rhin. Napoleons Empire brachte in seinem Aufstieg und Fall erneut etwas Kanonendonner übers Land. Begeistert wurde Napoleon im Elsass aufgenommen. Einige seiner fähigsten Generäle wie Kellermann, Kléber und Rapp sind gebürtige Elsässer. Ein Konkordat mit Rom regelte 1801 den Sonderstatus: Anders als im übrigen Frankreich werden im Elsass Pfarrer vom Staat bezahlt. Das besondere Verhältnis von Staat und Kirche besteht bis heute.

Mitte des 19. Jahrhunderts verfügte ein Gesetz, dass Religionsunterricht an elsässischen Schulen obligatorisch ist, diese zudem nach Konfessionen zu trennen sind. In allen anderen Punkten, insbesondere bei der Sprache, kannte Paris kein Pardon. Nach zentralistischer Manier wurden Verwaltung und Gesellschaft normiert. Die Industrialisierung griff vor allem im Raum Mulhouse (Textil) und Rheinebene (Kaligruben, Rheinschifffahrt).

Mit dem deutsch-französischen Krieg donnerten 1870/71 nach längerer Ruhepause wieder die Kanonen. Die Straßburger Bibliothek und ein grosser Teil der dokumentierten Geschichte des Elsass ging unter Beschuss in Flammen auf. Im Vertrag von Frankreich annektierte das wilhelminische Kaiserreich das Elsass und Lothringen. Um der forcierten Eindeutschungspolitik zu entgehen, wanderten Zehntausende nach Frankreich aus. Berlin führte sich in den Territorien wie in einer Kolonie auf. Erst spät erhielt das unter direkter Kontrolle des Kaisers stehende Reichsland Elsass-Lothringen die politische Gleichberechtigung mit dem Rest des Reichs.

1911 wurde ein Landtag zugestanden, doch bald schon stand der Erste Weltkrieg vor der Tür. Die Front verlief durch das Elsass. Entsprechend hoch fielen Zerstörungen und Verluste an Menschenleben aus. 200 000 Elsässer kämpften unter deutscher, 20 000 unter französischer Flagge. Nach Friedensschluss 1918 wurde das Elsass wieder französisch. Über 100 000 Deutsche mussten das Land verlassen. Mit den neuen Verhältnissen ging der kollektive Misstrauensverdacht Frankreichs einher, alle Elsässer seien insgeheim Kollaborateure.

1940 standen die Deutschen erneut im Land. Bis 1944/45 dauerte das brutale Intermezzo als „Gau Oberrhein“ an. In den Vogesen wurde das KZ Struthof eingerichtet. Juden wurden deportiert, Andersdenkende inhaftiert. 130 000 Elsässer mussten nach 1942 in die Wehrmacht eintreten. Die meisten dieser malgré-nous (gegen unseren Willen) kommen an die Ostfront, wo 40 000 fielen. Erst 1999 räumte der französische Staat ihnen den Status Mort pour la France ein und erkennt seitdem die Überlebenden als Kriegsveteranen an.
Weitere 50 000 Zivilisten kamen im Krieg ums Leben. Straßburg entging bei der Befreiung größeren Zerstörungen. Andere Orte wurden dem Erdboden gleichgemacht. Schwer wog nach der Kapitulation das Abrechnen von Franzosen der France intérieuer (gemeint ist Frankreich westlich des Vogesenkamms). Erst mit der Generalamnestie für die in die Wehrmacht zwangsrekrutierten Elsässer von 1953 glätteten sich die Wogen im Elsass. Mit der Akzeptanz einer anderen Sprache als des Französischen ließ Paris sich Zeit. In den Nachkriegsjahren bestrafte man Kinder, die auf dem Schulhof Elsässisch oder gar Deutsch reden, kategorisch. Mitte der 60er Jahre standen die Zeichen auf Rückbesinnung. Mundartdichter wie Roger Siffer eroberten die Bühnen. Man war früher als anderenorts in Frankreich ökologischen Gedanken aufgeschlossen. Der Protest gegen die geplanten Atomkraftwerke Fessenheim auf elsässischer, Whyl ab badischer Seite erwiesen sich langfristig als Katalysatoren der grünen Bewegung.

Seit 1949 ist Straßburg Sitz des Europarats. Im Elsass, wo das Zeitalter des Nationalismus desaströse Folgen hatte, sieht man die Zukunft zwar unter der französischen Trikolore, setzt jedoch gleichzeitig auf Europa. Im selben Zeitraum vernetzt sich die Region mit ihren Nachbarregionen in Deutschland und der Schweiz. In den 1990er Jahren nimmt die Euroregion Elsass-Baden-Württemberg-Baseler Land Gestalt an. Seit 1992 sendet das deutsch-französische Kulturfernsehen Arte mit Sitz in Straßburg. 1958 zog das Europäische Parlament nach Straßburg. Neben Brüssel und Luxemburg behauptet sich die elsässische Kapitale als Hauptstadt Europas. Geschichtlich nur ein kurzer Moment, spiegelt die Geschichte des Elsass wie in einem Focus die Geschichte Europas in einer Region - und die zentrale geschichtliche Rolle der Region findet in der heutigen Bedeutung des Elsass und seiner Hauptstadt Straßburg ihr nachhaltiges Echo für die Zukunft des Elsass und ganz Europas.

Foto: VoyageMedia für Elsass-Netz.de

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