Flammkueche
Elsässer Spezialität: Flammkuchen - Flammkueche - Tarte flambeé
Jedes Wochenende im Elsass aufs Neue dasselbe Bild: In den Dorfgaststätten des Elsass versammelt sich Tischrunde um Tischrunde zum rituellen Verspeisen einer Elsässer Spezialität: Flammkueche-Essen im Elsass ist angesagt.
Es riecht nach Holzkohleofen, würzigem Speck, frischen Zwiebeln und warmen Teig. > Rezept Flammkuchen
Die auf dünnen Holzbrettern servierte Köstlichkeit wird mit dem Messer in Viertel geschnitten, die Portion mit der Hand ein wenig zusammengerollt und ohne Messer oder Gabel verspeist.
So geht es Flammkueche auf Flammkueche weiter - Wer je Urlaub im Elsass gemacht hat, schwärmt vom typischen Elsässer Flammkuchen-Essen.
Erst auf ein Zeichen stoppt der Kellner den Nachschub. Bei soviel Erfolg droht Nachahmung, und, schlimmer noch, Verfälschung des Originalrezepts. Was also tun angesichts sich inflationär verbreitender Rezepte und Esssitten?
Die Antwort konnte in Frankreich nur in der Gründung der „Confrérie de la véritable tarte flamée“ liegen. So geschehn 1979 in Kolbsheim, am Südrand des Kochersberger Lands. Die 160 wackeren Mitglieder der Bruderschaft, vertreten durch einen Zehnerrat, dem wiederum der gewählte „grand maître“ vorsteht, bemühen sich inständig um die Wahrung der Traditionen, aber auch um die Verbreitung der Botschaft, dass das Kochersberger Land als eine der vielen Regionen im Elsass die Wiege des originalen Elsässischen "Flammkueche" ist.
Im Elsass greift man seit dem 18. Jahrhundert mittags zum Flammkueche, dessen Entstehung mit dem zusammenhängt, was auf den Höfen reichlich vorhanden war: Mehl, Milch, Zwiebeln. Auch die stattlichen Höfe, auf denen im Gegensatz zu ärmeren Gegenden immer ein eigener Ofen zum Brotbacken gehörte, spielten eine Rolle.
Zum Backen nutzte man die ersten Flammen nach Anheizen des Ofens – daher der Name Flammkueche. Den hat mittlerweile auch die Confrérie übernommen, die nun „du véritable Flammkueche“ heißt. Varianten mit Apfelscheiben oder Gruyère-Käse werden von der Bruderschaft toleriert, die freilich in einem Punkt kein Pardon kennt:Die Speisen sollten immer aus dem Holzkohleofen kommen.
Erstmals niedergeschrieben wurde das Rezept zu Anfang dieses Jahrhunderts. Der französische Tarte flambée ist hingegen wesentlich jünger und geht auf einen Restaurantbesitzer aus Lampertheim zurück. Der nämlich übersetzte in den 1950er Jahren einem französischen Journalisten das elsässische Rezept.
Angesichts ihrer Verbreitung sprechen böse Zungen bei der Tarte flambée heute von der „elsässischen Pizza“. Denn die Spezialität vom Kochersberg ist längst dabei, die kulinarische Welt zu erobern.
Mit der industriellen Fertigung gelangt die schmackhafte Mahlzeit tiefgekühlt und vakuumverpackt in hiesige Supermärkte. In Brumath etwa erwirtschaften Roland Kauffer und seine 40 Angestellten knapp 3 Millionen Euro mit der „garantiert elsässischen Tarte flambée“. Allein hier verlassen täglich bis zu 80 000 Flammkueche das Fließband.
In Schiltigheim steigerte der Konkurrent Roger Roposte seine Produktion allein 1996 um 60% auf 350 t Flammkueche, und in Rixheim versorgt „Le Traiteur alsacien“ die Region mit 3000 großen runden, 4000 kleinen runden und immerhin noch 200 rechteckigen Exemplaren pro Woche.
Foto: VoyageMedia / Elsass.Netz.de
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